100 Jahre CVJM Duisburg

Tageslosung

Deine Gnade soll mein Trost sein, wie du deinem Knecht zugesagt hast.
Psalm 119,76

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Termine

An(ge)dacht

zum Monatsspruch für September 2021:

"Achtet doch drauf, wie es euch geht! Ihr sät viel und bringt wenig ein. Ihr esst und werdet doch nicht satt. Ihr trinkt und bleibt doch durstig, Ihr kleidet euch und keinem wird warm. Und das verdiente Geld behaltet ihr nicht.“ (Haggai 1,6) 

 Wovon können wir träumen in einer Zeit von "Corona", zunehmenden Naturkatastrophen, Krisen und Kriegen?

Im Exil hatte das verschleppte Volk Israel davon geträumt, endlich wieder nach Jerusalem zurückkehren und den zerstörten Tempel wieder aufbauen zu können. DEN Ort, mit dem sich große Sehnsüchte und alle Hoffnungen verbanden. Gottes Macht und Herrlichkeit wären dort sichtbar und erfahrbar. Am Ende aller Tage würden die Völker zum Tempel strömen und von Gottes Gegenwart im Tempel würde das Heil, würden Gerechtigkeit, Frieden, Sicherheit, Wachstum ausgehen… Und dann war es soweit: Endlich durften die Verschleppten zurück nach Jerusalem und den Tempel wieder aufbauen. Sie machten sich mit viel Eifer an die Arbeit.

Doch dann gab es Widerstand aus den eigenen Reihen. Das Bauen wurde mühsam, hinzu kam die Enttäuschung, der Elan ließ nach. Der Mut und das Vertrauen schwanden, dass das Bauprojekt jemals beendet werden könnte. So kam die Arbeit am Tempel zum Erliegen und die Menschen investierten lieber in den Ausbau ihrer eigenen Häuser und verzierten die Wände kunstvoll. So blieb der Tempel eine Bauruine. Gott war den Israeliten weiter wichtig -  sie waren dankbar für die Rückkehr und das neue Leben in Freiheit. Aber manchmal spürten sie ein schales Gefühl – denn die Zukunft in Jerusalem hatten sie sich  anders vorgestellt:  bunter, schöner, reicher, vielfältiger. Sie wussten: Es gab mal dieses große Ziel, von dem man als Glaubensgemeinschaft geträumt und deswegen man miteinander angepackt hatte. Aber die Hindernisse hatten alle Motivation aufgefressen und das große Ziel blieb unerreicht. Stattdessen befriedigte man sich am Erreichen eigener kleiner Erfolge. 

In diese Situation hinein sagt der Prophet Haggai: „Achtet doch drauf, wie es euch geht! Ihr sät viel und bringt wenig ein. Ihr esst und werdet doch nicht satt. Ihr trinkt und bleibt doch durstig, Ihr kleidet euch und keinem wird warm. Und das verdiente Geld behaltet ihr nicht.“ (Haggai 1,6) In Haggais Beobachtung schwingt die Frage mit: „Woran liegt es, dass das so ist? Wie kommt es dazu? Was läuft falsch?“ Erklärungen waren schnell zur Hand: Die ungünstige Wirtschaftslage, die häufige Dürre, die zu kleinen Ackerflächen und das persische Steuersysten wurden für die geringen Erträge, das „schale Lebenssgefühl“ und letztendlich auch für den abgebrochenen Tempelbau verantwortlich gemacht. Doch Haggai sieht es genau andersherum: Nicht die Möglichkeiten sind zu gering für den Tempelbau, sondern weil ihr den Tempel nicht baut, bleibt euer Leben karg.“  Der Tempel war nicht als Prunkbau gedacht, damit Gott sich wohlfühlt – sondern der Tempel ist DER Ort, der von Gott erzählt und ihn würdigt. DER Ort, der meinen Horizont und mein Herz erweitert.  DER Ort, an dem Menschen Gott begegnen und auf ihn hören, um so die Welt mitzugestalten und ein Segen für die Welt zu sein.  

Haggai weist darum das Volk darauf hin: „Ihr habt eure Leben und eure Herzen zu eng gefasst. Eure Gedanken und euer Tun beziehen sich nur auf eurer eigenes Leben, auf kleine Erfolge und kurzweiligen Befriedigungen. Euer Leben bleibt klein, weil Gott, das Vertrauen in seine Hilfe  und der Nächste keinen Platz darin haben.  Darum können weder Gott noch Menschen euch mit Zufriedenheit, Sinn und Glück beschenken. Wenn ihr euer Leben in einem so kleinen Raum lebt, wird es arm. Wer erfüllt leben möchte, braucht einen größeren Horizont und einen Lebensraum, der größer ist als das eigene Haus, die alleinige Sorge um sich, das eigene Ego und die eigenen Ziele.“ Haggai wirbt darum, dass Gott und mein Nächster wieder im Mittelpunkt meines Lebens stehen. 

Viele Probleme in unserer Gesellschaft wären schnell gelöst, wenn wir mehr die Verbindung  mit Gott und dem Nächsten suchen würden. Im Fragen nach Gottes Willen, im Suchen seiner Nähe, im Hören auf Gott, im Aufeinander-achten und Sich-kümmern um einander liegen genau die Weite und Erfüllung, der Friede und die Zufriedenheit, die Liebe und das Glück verborgen, wonach wir uns sehnen. Gottes Tempel – das sind heute wir!  Gott will selbst in uns auf diese Weise unter uns erfahrbar sein. Wenn ich mich für Gott und meinen Nächsten öffne, in der Gemeinde Jesu mitarbeite,  mich für das Wohl von Menschen einsetze, wird das meinen Horizont und Herz weiten – weil ich an Gottes am „lebendigen Tempel“ mitbaue. 

Jugendsekretär Sebastian Begaße